Chorsingen und Corona




Liebe Sängerinnen und Sänger, liebe Chorleiterinnen und Chorleiter,


die rasant steigenden Infektionszahlen haben die Regierungen der Länder und die Bundesregierung bewogen, umfassende Kontaktbeschränkungen zu beschließen, um den weiteren Anstieg abbremsen und die daraus resultierende Überlastung des Gesundheitssystems vermeiden zu können.


Bis zum 30. November 2020 (mindestens) gilt es, unnötige Kontakte zu vermeiden. Das bedeutet für die Chorarbeit i.d.R., dass sie für die nächsten vier Wochen möglichst ruhen wird.


In diesem Artikel wird auf die Rechtsverordnungen der Länder Niedersachsen und Bremen, sowie auf die Handlungsempfehlungen der dortigen fünf ev. – luth. Landeskirchen Bezug genommen.


Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Die Sach- und Gesetzeslage ändert sich stetig und ist nach wie vor gelegentlich unübersichtlich. Wir bitten um Verständnis, sollte es zu Fehlinformationen kommen.


Stand vom 3. November 2020


Ist den Chören das Singen wieder verboten worden?

In der Niedersächsischen Rechtsverordnungen vom 30. Oktober 2020 stehen nach wie vor keine Angaben mehr bezüglich des Singens. Damit ist das Singen nicht grundsätzlich verboten (außer in den Schulen, vgl. Rahmenverordnung Schule Corona). Es dürfte also eigentlich weiter ohne Begrenzung der Teilnehmerzahl im Chor gesungen werden, auch im geschlossenen Raum, wenn die Einhaltung der Abstandsregeln und der Hygienemaßnahmen gewährleistet ist. Auch in Bremen sind Proben mit Laienchören nicht grundsätzlich verboten.


Es gilt aber der dringende Appell an alle Gruppen und Vereine, auf Proben in den nächsten vier Wochen zu verzichten, um so viele Kontakte wie möglich zu vermeiden.


Jeder Chor und jede Chorleitung steht schon seit der grundsätzlichen Erlaubnis vom 13. Juli 2020, die Probentätigkeit wieder in der Präsenz aufnehmen zu dürfen, in der Pflicht, eigenverantwortlich einen sicheren Weg für die Verhältnisse vor Ort zu finden.
Dafür muss ein möglichst risikoarmes und verantwortbares Präsenzproben- und Konzertkonzept für den Chor und sein Publikum entwickelt werden, unbedingt in Absprache mit den zuständigen Trägern und Veranstaltern.


Zur Zeit ist es kaum vorstellbar, dass diese Verantwortung für Sänger und Publikum zu einer anderen Entscheidung führen kann, als im ganzen Monat November die Proben ruhen zu lassen.

Konzerte sind im November verboten.


Votum der fünf evangelischen Landeskirchen Niedersachsen und Bremens

Die Bischöfe Niedersachsens betonen in ihrer Erklärung die Verantwortung der Kirchen für ihre Gemeindemitglieder und für die ganze Gesellschaft.

Als Religionsgemeinschaften ist den Kirchen die freie Religionsausübung zugesichert (§9 der Niedersächsischen Coronaverordnung).

Auch Chorproben fallen im kirchlichen Kontext unter die freie Religionsausübung.
Außerdem werden Chöre, auch von den Landesregierungen, nicht als Freizeitveranstaltung, sondern viel mehr als Bildungsveranstaltung gewertet.

Daher sind Chorproben im kirchlichen Rahmen grundsätzlich durchführbar.

Allerdings haben die Landeskirchen in ihren aktuellen Handlungsempfehlungen die Rahmenbedingungen für Chorproben deutlich enger gesteckt.

So gelten Begrenzungen der Teilnehmerzahl (Oldenburg 4, Bremen 10, alle anderen 8 SängerInnen) und deutlich erhöhte Abstandsregeln, die es nur sehr mutigen und versierten Laien ermöglichen werden, im Chor zu singen.

Alle Einzelheiten sind den Handlungsempfehlungen der jeweilig zuständigen Landeskirche zu entnehmen. (siehe unten)



Kinder- und Jugendchöre

Alle Landeskirchen, evangelisch und katholisch, möchten ermöglichen, Angebote für Kinder und Jugendliche aufrecht zu erhalten, sogar dann, wenn es zu einem totalen Lockdown kommen sollte.

Hier gilt es abzuwägen, wie diese Angebote zu gestalten sind und ob das Singen in größeren Kinder- und Jugendchorgruppen verantwortbar ist – auch gesellschaftlich.

Möglicherweise könnten Alternativen zum Singen gefunden werden, um den Kindern und Jugendlichen einerseits die Treffen zu ermöglichen und den Kontakt zwischen Chormitgliedern und Chorleitung zu pflegen und andererseits auch mit Coronaauflagen sinnvoll musikalisch Zeit miteinander zu verbringen.

Laut Niedersächsischer Rechtsverordnung gelten für Kinder unter 12 Jahren keine Abstandsregeln und auch bei Treffen außerhalb der Schule nicht die 2-Haushalts-Regeln, also keine Begrenzungen der Teilnehmerzahlen.


Handlungsempfehlungen der Ev. – luth. Landeskirchen Niedersachsens und der Bremischen Evangelischen Kirche

Ev. – luth. Landeskirche in Braunschweig

Ev. – luth. Landeskirche Hannovers

Ev. – luth. Kirche in Oldenburg

Ev. – luth. Landeskirche Schaumburg – Lippe



Darf im Dezember regulär (unter Coronabedingungen) geprobt werden?

Das kann heute natürlich noch nicht vorhergesehen werden. Es ist zu vermuten, dass die Bedingungen am 1. Dezember nicht so sein werden, dass der Status vom Oktober wieder gelten wird.

Die Planungen für Dezember und die weiteren Monate bis mindestens März sind heute schwieriger und unsicherer denn je. Man sollte gleich Plan B und C mitdenken. Oder eine Absage einer möglichen Veranstaltung einkalkulieren.



Was ist bei Chorproben im geschlossenen Raum zu beachten?

Sollte im Dezember der Probenbetrieb wieder aufgenommen werden können, bleibt es natürlich weiter wichtig, anhand der bereits gewonnenen Erkenntnisse zur Beschaffenheit des Covid-19-Virus und seinen Verbreitungswegen die Proben verantwortungsvoll zu planen und bzgl. des Infektionsrisikos so sicher wie möglich zu gestalten.

Dazu zählt neben den bekannten Abstandsregeln und Hygienmaßnahmen das regelmäßige und gründliche Lüften.


Zur Veranschaulichung der Übertragungswege von Covid-19 kann der folgende kurze Film über Aerosole dienen.

(„Coronavirus – So schützen Sie sich vor in der Luft schwebenden Viren“, im Verlauf des Zeit-online/Wissen-Beitrags)

Lüften, lüften, lüften!


Zur Vermeidung der Virenübertragung über die Atemluft ist das Gebot der Stunde für Chöre (und alle anderen Menschenansammlungen), neben dem Einhalten der Abstandsregeln, eine regelmäßige und gute Durchlüftung der Räume.


Wann, wie und wie oft muss gelüftet werden?

Wie oft die Lüftung durchzuführen ist, wird u. a. von diesen Faktoren beeinflusst:

  • Raumfläche und -höhe
  • Lüftungsbedingungen – Lüftungsdauer und -art
  • Anzahl der Menschen im Raum
  • Dauer des Aufenthaltes der Menschen im Raum
  • Strömungsverhältnisse der Raumluft (Heizungsart, Fenster, Bewegungsverhalten der Menschen etc.)
  • Wetterbedingungen – Außen- und Innentemperaturen


Die unterschiedlichen Empfehlungen für Lüftungsintervalle liegen derzeit zwischen 20 und 50 Minuten.
Die Dauer der Lüftung sollte, je nach Bedingungen, zwischen 3 und 15 Minuten liegen.
Ein vollständiger Luftaustausch im Raum ist anzustreben.


CO2-Messgeräte und andere technische Hilfsmittel

Der Zeitpunkt, wann eine Lüftung notwendig ist, kann mithilfe eines CO2-Messgerätes genauer bestimmt werden. Die CO2-Belastung ist zwar bzgl. der Covid-19-Übertragung unerheblich, aber sie kann äquivalent zur (nicht so einfach messbaren) Aerosolbelastung betrachtet werden.


Bis zu einem Wert von 800 ppm ist ein Luftaustausch nicht nötig, zwischen 800 und 1000 ppm wird eine Lüftungspause empfohlen.
Bei einer Verwendung von CO2-Messgeräten ist deren Positionierung im Raum entscheidend.


Man kann den Messwerten bei geöffneten Fenstern beim Sinken zusehen – genauso auch beim Anstieg, wenn die Fenster wieder geschlossen sind.


Mithilfe dieser Geräte wird schnell deutlich, welche Lüftungsvariante vor Ort die effektivste ist:
Fenster, die auf Kipp gestellt sind, bewirken hinsichtlich des Luftaustausches wenig. Nur die berühmte Quer- und Stoßlüftung bei weit geöffneten, gegenüber liegenden Fenstern und Türen ist schnell und gründlich wirksam.


Die CO2-Messgeräte kosten um 100,- bis 150,- €. In einigen Schulen und Chören werden diese Geräte bereits genutzt und lassen sich dort möglicherweise ausleihen.


Alternativ wird aktuell seitens der VBG (Verwaltungsberufsgenossenschaft Hamburg – gesetzliche Unfallversicherung) angeregt, die eigentlich für Klassenräume entwickelte APP (CO2-Timer von „Garage51“ im App-Store) zur CO2- Belastung zu prüfen. Mit der CO2-App lässt sich die CO2-Konzentration im Raum berechnen und die optimale Zeit und Frequenz zur Lüftung bestimmen. 


Diese APP ist allerdings für den Unterrichtsbetrieb und nicht für das Chorsingen (mit einem sehr wahrscheinlich höheren Luftbedarf) entwickelt worden.


In Ausnahmefällen kann über die Anschaffung eines Raumlufttauschers nachgedacht werden. Diese Geräte sind kostspielig (mehrere Tausend Euro) und für die meisten Chöre vermutlich unerschwinglich.


Die Bundesregierung fördert die Umrüstung von Lüftungsanlagen. Eine Maßnahme, die vermutlich nachhaltig, aber dafür auch langwierig und kostenintensiv sein dürfte. 


Eine Sammlung von Berichten über diverse Studien, sowie weitere Einschätzungen und Meinungen sind nachzulesen, zu sehen und zu hören auf dieser Homepage unter der Rubrik Artikel, Expertisen und Stellungnahmen zum Singen in Coronazeiten.

Gute Nachricht

Die gute Nachricht ist: man kann einer Infektionsgefahr mit den oben genannten Vorsichtsmaßnahmen und der Einhaltung der Rechtsvorgaben und Handlungsempfehlungen (siehe unten) gut begegnen. Diese sind wirksam und minimieren das Risiko erheblich!


Schade, dass so selten davon berichtet wird, sondern, im Gegenteil, von verschiedenen Seiten immer wieder betont wird, dass das Singen besonders gefährlich sei.

Seit Wochen keine Infektionsgeschehen in Chören

Seit vielen Wochen sind in Deutschland keine Infektionen mehr bei Chorproben aufgetreten. Es sind sogar Chorproben belegt, in denen alle Sicherheitsmaßnahmen ergriffen und eingehalten wurden, worauf kein Coronaausbruch, nicht mal eine Einzelansteckung stattgefunden hat, obwohl ein (im Nachhinein) nachgewiesenermaßen Erkrankter unter den Choristen gewesen ist. 

Was muss beachtet werden, wenn präsent geprobt wird?

  • Die Genehmigung der Träger/Betreiber des Veranstaltungsortes muss vorliegen, im kirchlichen Kontext i.d.R. durch die Kirchenvorstände der Gemeinden oder den Kirchenkreisvorstand.
  • Ein Hygieneplan unter Berücksichtigung der üblichen Corona-Hygienevorschriften und -Abstandsregelungen muss vorliegen. Diese Regeln sind selbstverständlich einzuhalten.
  • Der Sicherheitsabstand zwischen allen Anwesenden muss 1,5 m betragen. Laut Empfehlungen der Landeskirchen vom 30. Oktober 2020 zum Teil erheblich mehr, bis zu 3 und 6 m. (vgl. Handlungsempfehlungen der Landeskirchen, siehe oben)
  • Der Raum muss ausreichend groß sein, um den Sicherheitsabstand einhalten zu können.
  • Eine gute Belüftungsqualität des Raumes muss gewährleistet sein.
  • Es muss regelmäßig und gründlich gelüftet werden.
  • Eine Mund-Nasen-Bedeckung ist während der Probe, also auch beim Singen, nicht vorgeschrieben, wenn die Sänger*innen sich an ihrem Platz befinden.
  • Die Personalien und Kontaktdaten der beteiligten Sänger müssen aufgenommen, datiert, schriftlich festgehalten und drei Wochen aufbewahrt werden. Sie sind ggf. dem zuständigen Gesundheitsamt vorzulegen. Die Daten sind vier Wochen nach der Probe wieder zu vernichten.

Teilnahme an Chorproben ist freiwillig!

Es sollte unbedingt allen Beteiligten klar sein, dass die Teilnahme an den Chorproben für alle SängerInnen eigenverantwortlich und freiwillig ist.


Einige ChorleiterInnen lassen sich von ihren Sängerinnen und Sängern bzw. von den Eltern der minderjährigen Chormitglieder das Einverständnis schriftlich bestätigen.


Perspektiven für Chöre

Wie wird es weiter gehen?



Leider macht die derzeitige Lage es nicht leichter, in die Planungen für die Zukunft zu gehen. Die Erfahrungen den letzten Wochen zeigen uns, dass Vorhaben ständig revidiert oder modifiziert werden müssen.


Niemand kann abschätzen, wann und unter welchen Bedingungen Auftritte und Proben wieder möglich sein werden.


Mit welchem Ziel die Präsenzproben durchgeführt werden sollen, wird von Chor zu Chor unterschiedlich sein.


Lohnt dann ein Konzert noch? Reichen die Einnahmen bei kleinerer Publikumszahl aus?

Die Infektionszahlen steigen wieder: Kann man riskieren, ein Konzert zu planen, das doch wieder abgesagt werden muss?


Wären alle Chorsänger bereit, bei einem eventuellen Auftritt mitzuwirken?

Größere Konzerte sind in den meisten Fällen für diese Saison nicht mehr realistisch durchführbar. Aber möglicherweise lassen sich doch Aufführungsmöglichkeiten im oder um den Gottesdienst herum finden? Vielleicht kann ein Konzert stattfinden, wenn die Anzahl der Beteiligten reduziert wird, oder der Anteil der Gesangsbeiträge im Programm. Überlegenswert wäre es, die Programme kürzer zu gestalten, dafür mehrere Durchgänge des Konzertes anzubieten und damit reihum allen Choristen das Mitsingen zu ermöglichen. Gleichzeitig können mehr Menschen zuhören.

In manchen Gemeinden werden die Veranstaltungen gestreamt und damit einem größeren Publikum zur Verfügung gestellt.


Vielleicht kann der Chor in den nächsten Wochen, statt in der Probe zu sitzen, die Tradition des Kurrendesingens wiederbeleben? Kleine Ständchen im Garten des Altenheimes, auf dem Marktplatz oder vor der Haustür von Mitmenschen?


Zu beachten ist, dass nach wie vor unkontrollierte Versammlungen nicht gestattet sind und ggf. Rücksprache mit dem zuständigen Ordnungsamt gehalten werden muss.

Vermutlich werden wir Pläne noch länger „nur mit Bleistift“ machen können.



Kinder


Das Virus und dessen Verbreitung verhält sich und wirkt bei Kindern und Erwachsenen unterschiedlich (vgl. Bericht über Studie der TU und der Charité Berlin vom 16. 9. 2020). Das ist für die Gestaltung von Kinderchorproben und für das Singen in Schulen ein interessanter Gesichtspunkt, der bei Entscheidungsträgern bisher wenig berücksichtigt wird. Chorsingen und dialogische Sprechübungen sind in den Schulen und Kindertagesstätten Niedersachsens laut „Rahmenhygieneplan Corona Schule“ vom 22. Oktober 2020 in Räumlichkeiten verboten.
Unter freiem Himmel dürfen Kinder und Jugendlichen in schulischem Kontext mit einem Abstand von 2 Metern singen.


Nachwuchs schwindet

Schon jetzt ist erschreckenderweise sichtbar, dass ganzen Jahrgängen keinen Zugang mehr zum Chorsingen bekommen. In den Kinderchören des Freizeitbereichs, die wieder mit den Proben begonnen haben, fehlen vielerorts die ersten und zweiten und zum Teil die fünften Schuljahre. Der Nachwuchs für eine wertvolle Tradition und Kulturtätigkeit droht wegzubrechen!



Aus der Not eine Tugend machen

Vielleicht ist es auch in Zukunft – ohne Corona – sinnvoll, einige neue und sich bewährt habende Errungenschaften als so genannte Hybrid-Maßnahmen, also eine Kombination von digitalen und analogen Probenelementen, beizubehalten:


Viele Chöre haben das Singen in „Quartette“ in den letzten Wochen als besondere Herausforderung schätzen und lieben gelernt und festgestellt, wie effektiv und freudvoll die Probenarbeit in kleinen Gruppen sein kann. Chorsänger*innen sind in kleinen Gruppen stärker gefordert, können gleichzeitig ihre Stimmen besser entfalten.
Es empfiehlt sich bestimmt vielerorts, diese Probenform beizubehalten und weiter zu kultivieren, z.B. als Voreinheit vor der Tutti-Probe.


Manche Chöre haben sich in der Zeit des Singeverbots als ganze Gruppe getroffen, um rhythmische Fertigkeiten zu trainieren (Sprechstücke, Bodypercussion) oder Gehörbildung zu betreiben.

Diese Methoden funktionieren sogar in einer Online-Probe erstaunlich gut, für den Fall, dass man sich nicht (mehr) treffen kann/darf. Beim langsamen Summen kann man sogar das Mikrofon eingeschaltet lassen und mit geringem Tempo die Latenzprobleme bei der Übertragung „überlisten“.


Für den Fall eines weiteren Lockdowns z. B. aufgrund einer zweiten Infektionswelle, könnte zum Beispiel ein Gesangsquartett oder eine Kleingruppe „analog“ proben (wenn das Proben in der Form dann erlaubt sein sollte), während die anderen Chormitglieder zu dieser Probe per Konferenzplattform zugeschaltet werden. So kann der einzelne einsame Chorsänger zu Hause wenigstens ohne Latenzchoas die Mehrstimmigkeit genießen. Ferner kann der Chorleiter gezielt auf Gehörtes (vom Live-Ensemble gesungen) eingehen und leichter an musikalischen Parametern arbeiten. Es müssten sich allerdings mutige und sichere Sänger finden, die sich trauen, sich vor den Augen und Ohren aller anderen Chormitglieder „beproben“ zu lassen.


Jibli, Zoom, Skype, Facetime sind einige Beispiele für Konferenzplattformen, die in den Monaten des Singeverbots für Online-Chorproben beliebt waren. Aus Datenschutzsicht gelten sie jedoch nicht als sicher.


Auch wenn es technisch nicht überall gleich problemlos funktioniert (Latenz, instabiles Netz, möglicherweise keine entsprechenden Endgeräte bei der Sänger*innen vorhanden) und die Verläufe und Ergebnisse musikalisch und klanglich unbefriedigend sind, haben sehr viele Chöre diese digitale Probenform genutzt.


Online-Proben haben deutliche Grenzen und sind nicht mit einer „analogen“ Chorprobe zu vergleichen. Gleichzeitiges Singen, ein gemeinsames Klangerlebnis ist mit diesen Formaten leider nicht möglich.


Dennoch gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Proben für dieses Format methodisch so abwechslungsreich zu gestalten, dass sie viel Spaß machen. Es ist immer noch eine bessere Möglichkeit, als gar nicht zu singen!


Auf der Homepage des Berliner Chorverbands findet sich eine gute Anleitung zu „online-Chorproben mit Zoom“, auch mit methodischen Hinweisen zur Probentechnik.
David Rossel (Schweiz) und Jim Daus Hjernøe (Dänemark) teilen ebenfalls ihre Erfahrungen und geben Tipps zur Anwendung.


Ferner gibt es immer wieder Angebote, methodische und technische Einführungen zur Durchführung einer Online-Probe mit Hilfe eines Webinars zu bekommen. Die Landes- und Bundesmusikakademien und andere Fortbildungsstätten bieten solche Kurse an.


Ute Benhöfer hat Erfahrungen mit Kinder- und Jugendchorproben online gesammelt, die Sie hier gern einsehen können.


Für diejenigen, die lieber zu Hause singen und sich noch nicht in eine Probe mit vielen anderen Menschen wagen:


Zum reinen Töneüben bleiben Übe-CDs oder Übestimmen im MP3-Format ein probates Mittel. Viele Chöre nutzen diese Möglichkeit schon lange Jahre, auch um den Chorsängern zu Hause die Möglichkeit der Vor- oder Nachbereitung der Proben zu geben.


Einige Verlage bieten Übehilfen für die großen, gängigen Chorwerke an.


Auf dieser Homepage, unter der Rubrik Mitsingen zu Hause, sind einige Beispiele für das Singen in den eigenen vier Wänden zusammen gestellt.


Um die eigene Stimme fit zu halten, finden sich im Netz (z.B. auf YouTube) zahlreiche Einsing- bzw. Stimmbildungsangebote. Die Auswahl ist riesig und jeder Geschmack und beinah jedes Sängerniveau wird bedient.


Achten Sie bitte darauf, genau zu beobachten und nachzuspüren, welches Angebot ihrer Stimme gut tut!


Mögen Sie Ihre guten Nerven behalten und weiter viele gute Ideen entwickeln, um auch in der kälteren Jahreshälfte alle Gelegenheiten zum Singen unbeschwert ergreifen zu können!
Bleiben Sie weiter zuversichtlich, gesund und behütet!