Chorsingen und Corona



Liebe Sängerinnen und Sänger, liebe Chorleiterinnen und Chorleiter,


ein wenig freundlicher sieht es für die diejenigen in Niedersachsen und Bremen aus, die sehnlichst auf die Wiederaufnahme des Probenbetriebs gewartet haben. In beiden Bundesländern ist das Chorsingen im geschlossenen Raum grundsätzlich wieder zulässig.

Viele Fragen zu Rahmenbedingungen, Risiken, Perspektiven der Chorarbeit bleiben jedoch ungeklärt.
Im Folgenden versuchen wir einige zu beantworten. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Die Sach- und Gesetzeslage ändert sich stetig und ist nach wie vor gelegentlich unübersichtlich. Wir bitten um Verständnis, sollte es zu Fehlinformationen kommen.

In diesem Artikel wird auf die Rechtsverordnungen der Länder Niedersachsen und Bremen, sowie auf die Handlungsempfehlungen der dortigen fünf ev. – luth. Landeskirchen Bezug genommen.

Alle anderen chorrelevanten Informationen dürften über diese Grenzen hinaus Gültigkeit haben.

Stand vom 26. Oktober 2020

Chöre dürfen wieder proben!

Niedersachsen


Herausforderung

Seit dem 13. Juli 2020 gibt es in den Niedersächsischen Rechtsverordnungen keine Angaben mehr zum Singen. Bis dahin war das Singen (und das Spielen von Blasinstrumenten) explizit in den Rechtsverordnungen erwähnt (4-Personen-Regel mit 2-3 m Abstand, davor sogar ein striktes Verbot). 

Es darf demnach wieder ohne Begrenzung der Teilnehmerzahl im Chor gesungen werden, auch im geschlossenen Raum, wenn die Einhaltung der Abstandsregeln und der Hygienemaßnahmen gewährleistet ist.

Mit dieser grundsätzlichen Erlaubnis der Landesregierung Niedersachsens werden Chöre, ihre Leitungen und ihre Träger vor neue, sehr große Herausforderungen gestellt.

Jeder Chor und jede Chorleitung steht in der Pflicht, eigenverantwortlich einen sicheren Weg für die Verhältnisse vor Ort zu finden.
Dafür muss ein möglichst risikoarmes und verantwortbares Präsenzproben- und Konzertkonzept für den Chor und sein Publikum entwickelt werden, unbedingt in Absprache mit den zuständigen Trägern und Veranstaltern.

Dabei sind eine Vielzahl an Empfehlungen und Richtlinien zu berücksichtigen, sowie die sich immer weiter erneuernden Erkenntnisse über die Übertragungswege des Virus und die für jeden Chor anders gearteten Rahmenbedingungen wie Raumgröße, Lüftungs- und Heizbedingungen, Anzahl, Alter und Konstitution der Choristen etc.

Verunsicherung

Nachdem das Chorsingen für Laien lange Zeit völlig verboten bzw. stark eingeschränkt war, länger, als in vielen anderen Lebensbereichen, sind nun viele Menschen irritiert, zumal die Abstandsregeln für Chorproben in anderen Bundesländern, in denen das Singen schon viel länger wieder zulässig ist, deutlich größer sind, als in Niedersachsen vorgegeben.

(Gesetzliche Vorgaben und verschiedene Handlungsempfehlungen siehe unten)

Die Verunsicherung ist nach wie vor groß, wird doch das (Chor-) Singen immer noch verdächtigt, risikoreicher und infektionsverbreitender als andere Tätigkeiten zu sein.


Nun, da der Herbst begonnen hat, die Infektionszahlen überall in Europa steigend sind und das Singen im Freien bei Nässe und Kälte nur noch eingeschränkt stattfinden kann, wird nach Möglichkeiten gesucht, die Proben ohne erhöhtes Infektionsrisiko in geschlossenen Räumen fortsetzen zu können.

Unterschiedliche Lösungen

Angesichts der Vielzahl der möglichen Settings können die Wege und Verfahren höchst unterschiedlich ausfallen, sogar, wenn die Rahmenbedingungen identisch zu sein scheinen.

Der persönlichen Einschätzung der Chorleitung und jeder einzelnen Sängerin und jedes einzelnen Sängers kommt dabei eine ungemeine Bedeutung zu.

Sie ist in der Regel der ausschlaggebende Faktor, der die Wahl der Vorgehensweise bestimmt.

Zwei Beispiele aus dem echten Leben

1. Ein Ort, zwei hauptamtliche Kirchenmusiker an eng benachbarten Stellen mit vergleichbaren Chören (Altersdurchschnitt, Größe, Repertoire, Leistungsstand) und beinahe identischen Kirchen- und Gemeinderäumen. Der eine Chor singt schon seit Wochen in voller Besetzung in voller Probenlänge mit 1,5 m Abstand, der andere mit verkürzter Probenzeit in Gesangsquartetten mit 2-3 m Abstand.

2. Aus ein und demselben Kinderchor: Zwei Familien, je ein Elternteil ist Mediziner, im selben Gesundheitsamt tätig: die Kinder der einen Familie singen im Kinderchor mit, die der anderen bleiben zu Hause.


Ansteckungsgefahr beim Singen ist vermeidbar!

Schmier- und Tröpfcheninfektion

Einer Übertragungsgefahr durch Schmier- und Tröpfchen-Infektion ist verhältnismäßig leicht zu begegnen. Die notwendigen Maßnahmen sind uns im Laufe der letzten Monate nahezu in Fleisch und Blut übergegangen: Abstand wahren, Mund-Nasen-Schutz tragen, Nies- und Husten-Etikette, Handhygiene, Desinfektion von Oberflächen.

Tröpfchen, die durch überdeutlich artikuliertes Sprechen oder durch Niesen und Husten verbreitet werden, überschreiten eine Entfernung von 1,5 m in der Regel nicht. 

Schwebeteilchen bzw. Aerosole

Für Chöre relevanter ist der Übertragungsweg des Sars-CoV-2-Virus mittels Luftpartikeln (Aerosolen). 
Zur Aerosolbildung bzw. zum Ausstoß der Aerosolmengen gibt es derzeit unterschiedliche Auffassungen und Erkenntnisse: 

  • Mehrere Studien haben nachgewiesen, dass beim Singen eine wesentlich höhere Menge an Aerosolen abgegeben wird, als beim Sprechen oder Atmen.
  • Andere Studien führen an, dass die Lautstärke bei der Stimmnutzung (auch beim Sprechen) der ausschlaggebende Faktor für die Aerosolmenge ist. 
  • Forscher aus England haben festgestellt, dass die Dichte der Aerosolabgabe jedes Menschen individuell ist und stark differierend sein kann, unabhängig davon, ob die Stimme überhaupt eingesetzt, oder ob gesprochen oder gesungen wird.
  • Kinder bilden und verbreiten deutlich weniger Aerosole als Erwachsene.


Der Begriff Aerosol (was ist genau als Aerosol definiert?) wird, selbst von Wissenschaftlern, unterschiedlich und daher missverständlich gebraucht. Daraus resultieren zum Teil widersprüchliche Handlungsempfehlungen.

Summen ist keine sichere Alternative

Die Virenkonzentration bei Sars-CoV-2-Infizierten ist im Rachenraum am größten. Die Viren werden mit der Atemluft abgegeben, auch über die Nase. 
Summen statt Singen ist kein effektiver Infektionsschutz, da die Aerosolkonzentration in der Atemluft auf dem Weg durch Mund oder Nase nicht variiert.

Singen mit Mund-Nasen-Bedeckung? 

Es ist unerheblich, ob beim Singen ein Mund-Nasen-Schutz getragen wird oder nicht (so lange ein Abstand von mindestens 1,5 m eingehalten wird).


Wie auch beim Sprechen bietet eine Mund-Nasen-Bedeckung keinen sicheren Infektionsschutz. Für das Singen ist er zusätzlich besonders unangenehm, da das Material schon nach kurzer Zeit (ca. 10 – 15 Minuten) durchfeuchtet sein dürfte und ausgetauscht werden müsste. Es bedürfte also pro Probe eines recht großen Vorrats an Mund und Nase bedeckenden Textilien pro Person.

Abgesehen davon dürfte das Singen mit Mundschutz weder akustisch noch haptisch noch atemtechnisch eine Freude sein.


Eine Alltagsmaske kann zwar größere Tröpfchen auffangen und damit verhindern, dass diese verbreitet werden. Die Tröpfchen, die von der Alltagsmaske abgehalten werden können, würden ohne Stoffbarriere die Entfernung von 1,5 m nicht überwinden können. Solange die Abstandsregeln eingehalten werden, ist also das Tragen eines MNS auch beim Singen nicht nötig.


Dennoch: wer sich mit Mund-Nasen-Schutz beim Singen wohler fühlt, möge ihn unbedingt benutzen!


Feuchtigkeitspartikel, die jeder Mensch beim Atmen in Form von Schwebeteilchen abgibt, können von einer Alltagsmaske nicht aufgehalten werden.


Die leichteren Schwebeteilchen legen erheblich weitere Strecken zurück (nämlich in der Höhe schwebend, wie der Name schon sagt) und bewegen sich deutlich länger im Raum als die schnell zu Boden sinkenden, schwereren Tröpfchen.

Die Wege, Entfernungen und die Dauer des Verbleibs der Schwebeteilchen in der Raumluft ist von vielen Faktoren abhängig.


Zur Veranschaulichung kann der folgende kurze Film über Aerosole dienen.

(„Coronavirus – So schützen Sie sich vor in der Luft schwebenden Viren“, im Verlauf des Zeit-online/Wissen-Beitrags)


Eine Sammlung von Berichten über diverse Studien, sowie weitere Einschätzungen und Meinungen sind nachzulesen, zu sehen und zu hören auf dieser Homepage unter der Rubrik Artikel, Expertisen und Stellungnahmen zum Singen in Coronazeiten.

Lüften, lüften, lüften!

Zur Vermeidung der Virenübertragung über die Atemluft ist also das Gebot der Stunde für Chöre (und alle anderen Menschenansammlungen), neben dem Einhalten der Abstandsregeln, eine regelmäßige und gute Durchlüftung der Räume.


Wann, wie und wie oft muss gelüftet werden?

Wie oft die Lüftung durchzuführen ist, wird u. a. von diesen Faktoren beeinflusst:

  • Raumfläche und -höhe
  • Lüftungsbedingungen – Lüftungsdauer und -art
  • Anzahl der Menschen im Raum
  • Dauer des Aufenthaltes der Menschen im Raum
  • Strömungsverhältnisse der Raumluft (Heizungsart, Fenster, Bewegungsverhalten der Menschen etc.)
  • Wetterbedingungen – Außen- und Innentemperaturen


Die unterschiedlichen Empfehlungen für Lüftungsintervalle liegen derzeit zwischen 20 und 50 Minuten.
Die Dauer der Lüftung sollte, je nach Bedingungen, zwischen 3 und 15 Minuten liegen.
Ein vollständiger Luftaustausch im Raum ist anzustreben.


CO2-Messgeräte und andere technische Hilfsmittel

Der Zeitpunkt, wann eine Lüftung notwendig ist, kann mithilfe eines CO2-Messgerätes genauer bestimmt werden. Die CO2-Belastung ist zwar bzgl. der Covid-19-Übertragung unerheblich, aber sie kann äquivalent zur (nicht so einfach messbaren) Aerosolbelastung betrachtet werden.


Bis zu einem Wert von 800 ppm ist ein Luftaustausch nicht nötig, zwischen 800 und 1000 ppm wird eine Lüftungspause empfohlen.
Bei einer Verwendung von CO2-Messgeräten ist deren Positionierung im Raum entscheidend.


Man kann den Messwerten bei geöffneten Fenstern beim Sinken zusehen – genauso auch beim Anstieg, wenn die Fenster wieder geschlossen sind.


Mithilfe dieser Geräte wird schnell deutlich, welche Lüftungsvariante vor Ort die effektivste ist:
Fenster, die auf Kipp gestellt sind, bewirken hinsichtlich des Luftaustausches wenig. Nur die berühmte Quer- und Stoßlüftung bei weit geöffneten, gegenüber liegenden Fenstern und Türen ist schnell und gründlich wirksam.


Die CO2-Messgeräte kosten um 100,- bis 150,- €. In einigen Schulen und Chören werden diese Geräte bereits genutzt und lassen sich dort möglicherweise ausleihen.


Alternativ wird aktuell seitens der VBG (Verwaltungsberufsgenossenschaft Hamburg – gesetzliche Unfallversicherung) angeregt, die eigentlich für Klassenräume entwickelte APP (CO2-Timer von „Garage51“ im App-Store) zur CO2- Belastung zu prüfen. Mit der CO2-App lässt sich die CO2-Konzentration im Raum berechnen und die optimale Zeit und Frequenz zur Lüftung bestimmen. 


Diese APP ist allerdings für den Unterrichtsbetrieb und nicht für das Chorsingen (mit einem sehr wahrscheinlich höheren Luftbedarf) entwickelt worden.


In Ausnahmefällen kann über die Anschaffung eines Raumlufttauschers nachgedacht werden. Diese Geräte sind kostspielig (mehrere Tausend Euro) und für die meisten Chöre vermutlich unerschwinglich.


Die Bundesregierung fördert die Umrüstung von Lüftungsanlagen. Eine Maßnahme, die vermutlich nachhaltig, aber dafür auch langwierig und kostenintensiv sein dürfte. 

Gute Nachricht

Die gute Nachricht ist: man kann einer Infektionsgefahr mit den oben genannten Vorsichtsmaßnahmen und der Einhaltung der Rechtsvorgaben und Handlungsempfehlungen (siehe unten) gut begegnen. Diese sind wirksam und minimieren das Risiko erheblich!


Schade, dass so selten davon berichtet wird, sondern, im Gegenteil, von verschiedenen Seiten immer wieder betont wird, dass das Singen besonders gefährlich sei.

Seit Wochen keine Infektionsgeschehen in Chören

Seit vielen Wochen sind keine Infektionen mehr bei Chorproben aufgetreten. Es sind sogar mehrere Chorproben belegt, in denen alle Sicherheitsmaßnahmen ergriffen und eingehalten wurden, worauf kein Coronaausbruch, nicht mal eine Einzelansteckung stattgefunden hat, obwohl ein (im Nachhinein) nachgewiesenermaßen Erkrankter unter den Choristen gewesen ist. 


Rechtsvorgaben des Landes Niedersachsen und weitere Handlungs- und Hygieneempfehlungen

Bei allen Chorproben, in Räumen und im Freien, sind die Vorgaben des Landes Niedersachsen zwingend zu beachten und einzuhalten!

Das Land Niedersachsen gibt einen Mindestabstand von 1,5 m in alle Richtungen vor. Diese Vorgabe ist rechtlich bindend und unbedingt einzuhalten, Verstöße können mit Strafen behördlicherseits belegt werden.


In den FAQ (häufig gestellte Fragen) auf der Homepage der Niedersächsischen Landesregierung wurde das Singen ab dem 13. Juli 2020 zunächst uneingeschränkt als zulässig bezeichnet, wenn die Hygieneabstände eingehalten werden.

Seit Anfang September wird dort darüber hinaus empfohlen, beim Singen einen Abstand von 3 m einzuhalten. 


Ferner ist zu beachten:

  • Die Genehmigung der Träger/Betreiber des Veranstaltungsortes muss vorliegen, im kirchlichen Kontext i.d.R. durch die Kirchenvorstände der Gemeinden oder den Kirchenkreisvorstand.
  • Ein Hygieneplan unter Berücksichtigung der üblichen Corona-Hygienevorschriften und -Abstandsregelungen muss vorliegen. Diese Regeln sind selbstverständlich einzuhalten.
  • Der Sicherheitsabstand zwischen allen Anwesenden muss mindestens 1,5 m betragen.
  • Der Raum muss ausreichend groß sein, um die je 1,5 m Sicherheitsabstand einhalten zu können.
  • Eine gute Belüftungsqualität des Raumes muss gewährleistet sein.
  • Eine Mund-Nasen-Bedeckung ist während der Probe, also auch beim Singen, nicht vorgeschrieben, wenn die Sänger*innen sich an ihrem Platz befinden.
  • Die Personalien und Kontaktdaten der beteiligten Sänger müssen aufgenommen, datiert, schriftlich festgehalten und drei Wochen aufbewahrt werden. Sie sind ggf. dem zuständigen Gesundheitsamt vorzulegen. Die Daten sind vier Wochen nach der Probe wieder zu vernichten.



Bei Auftritten oder Proben unter freiem Himmel sollte darüber hinaus unbedingt dafür Sorge getragen werden, dass sich nicht spontan und unkontrollierbar Menschenmengen (Zaungäste / Publikum) ansammeln können. Die Aufnahme der Personalien zur Rückverfolgung von Infektionsketten könnte so nicht gewährleistet werden.


Die Ev. – luth. Landeskirche Hannovers empfiehlt für Chöre in Proben und bei Auftritten in Gottesdienst und Konzert einen Abstand von 1,5 m zur Seite und 2 bis 2,5 m nach vorne. Der Abstand zur Ensembleleitung soll 3m betragen.


Erlaubnis der Landeskirche Hannovers, Chöre bei Proben und Konzerten einzusetzen und was dabei zu beachten ist.


Die Ev. – luth. in Oldenburg rät ihren Chören ähnlich.


Die Empfehlungen des Landesmusikrates Niedersachsen sehen einen Abstand von 1,5 m radial, zum musikalischen Leiter von 3 m vor. Pro Person sollen 10 m2 Raumgröße zur Verfügung stehen. Die Raumhöhe soll mindestens 3,5 m betragen.


Die VBG (Verwaltungsberufsgenossenschaft Hamburg – gesetzliche Unfallversicherung) fordert in ihren branchenspezifischen Handlungshilfen für Chöre die größten Abstände: 3 m zur Seite, 6 m nach vorne. 
Anders als mancher Experte, sind die Juristen der Nordkirche der Auffassung, dass diese Vorgaben des Arbeitsschutzstandards für die Chöre und ChorleiterInnen des kirchlichen Bereichs nicht rechtsbindend sind.
(Von den niedersächsischen Landeskirchen ist keine Stellungnahme bekannt.)

Empfehlungen in die Probenkonzeption einbeziehen

Die Empfehlungen sollten unbedingt für die eigenen Konzeption für infektionssichere Chorproben berücksichtigt und erwogen werden. Sie sind jedoch nur dann zwingend einzuhalten, wenn der Landkreis oder der Träger des Chores oder des Veranstaltungsortes diese vorschreiben.


Da das Land Niedersachsen verwunderlicherweise die Vorgaben für Chöre nicht strenger gefasst hat, bleibt es die Aufgabe jeder Chorleiterin und jedes Chorleiters, für sich und ihr/sein Ensemble zu entscheiden, in welchem Abstand (möglicherweise über die vorgegebenen und unbedingt einzuhaltenden 1,5 m hinaus) die Sänger*innen zueinander sitzen sollen, wie viele Menschen gleichzeitig in dem zur Verfügung stehenden Raum singen können, wie oft gelüftet werden muss, um allen Beteiligten ein gutes und entspanntes Gefühl beim Singen zu ermöglichen.

Teilnahme an Chorproben ist freiwillig!

Es sollte unbedingt allen Beteiligten klar sein, dass die Teilnahme an den Chorproben für alle SängerInnen eigenverantwortlich und freiwillig ist.


Einige ChorleiterInnen lassen sich von ihren Sängerinnen und Sängern bzw. von den Eltern der minderjährigen Chormitglieder das Einverständnis schriftlich bestätigen.



Bremen und Bremische Evangelische Kirche


Die Bestimmungen im Bundesland Bremen unterscheiden sich zwar von denen in Niedersachsen, inzwischen haben sich die Gesetzeslagen der beiden Bundesländer etwas aneinander angenähert. In Bremen gelten seit dem 6. Oktober 2020 die Bestimmungen der 18. Verordnung für Bremen und Bremerhaven des Bremer Senats. Für die Kirchenmusik hat sich seit der 13. Verordnung nichts verändert.


Die Bremische Evangelische Kirche empfiehlt, ähnlich wie die niedersächsischen ev.-luth. Landeskirchen, etwas strenger gefasste Rahmenbedingungen für Chorproben, als die Verordnung des Landes vorgibt.



Handlungsempfehlungen der Ev. – luth. Landeskirchen Niedersachsens für das Singen im Gottesdienst

Die vier Landeskirchen Niedersachsens sind unterschiedlicher Ansicht, was ihre Haltung zum Gemeindegesang im Gottesdienst betrifft.

Die Handlungsempfehlungen für den Gemeindegesang lauten für Hannover:
Sologesang, Liturgischer Gesang und Chorgesang ist möglich, vom Gemeindegesang wird weiter abgeraten.

In Oldenburg hingegen ist der Gemeindegesang unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen wieder zugelassen.


Die Handlungsempfehlungen der einzelnen Landeskirchen finden Sie hier:

Ev. – luth. Landeskirche in Braunschweig

Ev. – luth. Landeskirche Hannovers

Ev. – luth. Kirche in Oldenburg

Ev. – luth. Landeskirche Schaumburg – Lippe


Perspektiven für Chöre

Wie wird es im Herbst und Winter weiter gehen?


Mit welchem Ziel die Präsenzproben durchgeführt werden sollen, wird von Chor zu Chor unterschiedlich sein.

Konzertveranstaltungen sind mit einer Besucherzahl von bis zu 500 Personen prinzipiell wieder erlaubt. Zu der Planung eines Konzertes gehört unbedingt, die Raumgröße zu berücksichtigen und zu berechnen, wie viele Personen sich unter Coronabedingungen darin aufhalten dürfen. (Ausführende und Publikum)


Lohnt dann ein Konzert noch? Reichen die Einnahmen bei kleinerer Publikumszahl aus?

Die Infektionszahlen steigen wieder: Kann man riskieren, ein Konzert zu planen, das möglicherweise wegen einer zweiten Infektionswelle doch wieder abgesagt werden muss?


Wären alle Chorsänger bereit, bei einem eventuellen Auftritt mitzuwirken?

Größere Konzerte sind in den meisten Fällen für diese Saison nicht mehr realistisch durchführbar. Aber möglicherweise lassen sich doch Aufführungsmöglichkeiten im oder um den Gottesdienst herum finden? Vielleicht kann ein Konzert stattfinden, wenn die Anzahl der Beteiligten reduziert wird, oder der Anteil der Gesangsbeiträge im Programm. Überlegenswert wäre es, die Programme kürzer zu gestalten, dafür mehrere Durchgänge des Konzertes anzubieten und damit reihum allen Choristen das Mitsingen zu ermöglichen. Gleichzeitig können mehr Menschen zuhören.

In manchen Gemeinden werden die Veranstaltungen gestreamt und damit einem größeren Publikum zur Verfügung gestellt.


Vielleicht kann der Chor in den nächsten Wochen, statt in der Probe zu sitzen, die Tradition des Kurrendesingens wiederbeleben? Kleine Ständchen im Garten des Altenheimes, auf dem Marktplatz oder vor der Haustür von Mitmenschen?


Zu beachten ist, dass nach wie vor unkontrollierte Versammlungen nicht gestattet sind und ggf. Rücksprache mit dem zuständigen Ordnungsamt gehalten werden muss.

Vermutlich werden wir Pläne noch länger „nur mit Bleistift“ machen können.



Kinder


Das Virus und dessen Verbreitung verhält sich und wirkt bei Kindern und Erwachsenen unterschiedlich (vgl. Bericht über Studie der TU und der Charité Berlin vom 16. 9. 2020). Das ist für die Gestaltung von Kinderchorproben und für das Singen in Schulen ein interessanter Gesichtspunkt, der bei Entscheidungsträgern bisher wenig berücksichtigt wird. Chorsingen und dialogische Sprechübungen sind in den Schulen und Kindertagesstätten Niedersachsens laut „Rahmenhygieneplan Corona Schule“ vom 22. Oktober 2020 in Räumlichkeiten verboten.
Unter freiem Himmel dürfen Kinder und Jugendlichen in schulischem Kontext mit einem Abstand von 2 Metern singen.


Nachwuchs schwindet

Schon jetzt ist erschreckenderweise sichtbar, dass ganzen Jahrgängen keinen Zugang mehr zum Chorsingen bekommen. In den Kinderchören des Freizeitbereichs, die wieder mit den Proben begonnen haben, fehlen vielerorts die ersten und zweiten und zum Teil die fünften Schuljahre. Der Nachwuchs für eine wertvolle Tradition und Kulturtätigkeit droht wegzubrechen!



Aus der Not eine Tugend machen

Vielleicht ist es auch in Zukunft – ohne Corona – sinnvoll, einige neue und sich bewährt habende Errungenschaften als so genannte Hybrid-Maßnahmen, also eine Kombination von digitalen und analogen Probenelementen, beizubehalten:


Viele Chöre haben das Singen in „Quartette“ in den letzten Wochen als besondere Herausforderung schätzen und lieben gelernt und festgestellt, wie effektiv und freudvoll die Probenarbeit in kleinen Gruppen sein kann. Chorsänger*innen sind in kleinen Gruppen stärker gefordert, können gleichzeitig ihre Stimmen besser entfalten.
Es empfiehlt sich bestimmt vielerorts, diese Probenform beizubehalten und weiter zu kultivieren, z.B. als Voreinheit vor der Tutti-Probe.


Manche Chöre haben sich in der Zeit des Singeverbots als ganze Gruppe getroffen, um rhythmische Fertigkeiten zu trainieren (Sprechstücke, Bodypercussion) oder Gehörbildung zu betreiben.

Diese Methoden funktionieren sogar in einer Online-Probe erstaunlich gut, für den Fall, dass man sich nicht (mehr) treffen kann/darf. Beim langsamen Summen kann man sogar das Mikrofon eingeschaltet lassen und mit geringem Tempo die Latenzprobleme bei der Übertragung „überlisten“.


Für den Fall eines weiteren Lockdowns z. B. aufgrund einer zweiten Infektionswelle, könnte zum Beispiel ein Gesangsquartett oder eine Kleingruppe „analog“ proben (wenn das Proben in der Form dann erlaubt sein sollte), während die anderen Chormitglieder zu dieser Probe per Konferenzplattform zugeschaltet werden. So kann der einzelne einsame Chorsänger zu Hause wenigstens ohne Latenzchoas die Mehrstimmigkeit genießen. Ferner kann der Chorleiter gezielt auf Gehörtes (vom Live-Ensemble gesungen) eingehen und leichter an musikalischen Parametern arbeiten. Es müssten sich allerdings mutige und sichere Sänger finden, die sich trauen, sich vor den Augen und Ohren aller anderen Chormitglieder „beproben“ zu lassen.


Jibli, Zoom, Skype, Facetime sind einige Beispiele für Konferenzplattformen, die in den Monaten des Singeverbots für Online-Chorproben beliebt waren. Aus Datenschutzsicht gelten sie jedoch nicht als sicher.


Auch wenn es technisch nicht überall gleich problemlos funktioniert (Latenz, instabiles Netz, möglicherweise keine entsprechenden Endgeräte bei der Sänger*innen vorhanden) und die Verläufe und Ergebnisse musikalisch und klanglich unbefriedigend sind, haben sehr viele Chöre diese digitale Probenform genutzt.


Online-Proben haben deutliche Grenzen und sind nicht mit einer „analogen“ Chorprobe zu vergleichen. Gleichzeitiges Singen, ein gemeinsames Klangerlebnis ist mit diesen Formaten leider nicht möglich.


Dennoch gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Proben für dieses Format methodisch so abwechslungsreich zu gestalten, dass sie viel Spaß machen. Es ist immer noch eine bessere Möglichkeit, als gar nicht zu singen!


Auf der Homepage des Berliner Chorverbands findet sich eine gute Anleitung zu „online-Chorproben mit Zoom“, auch mit methodischen Hinweisen zur Probentechnik.
David Rossel (Schweiz) und Jim Daus Hjernøe (Dänemark) teilen ebenfalls ihre Erfahrungen und geben Tipps zur Anwendung.


Ferner gibt es immer wieder Angebote, methodische und technische Einführungen zur Durchführung einer Online-Probe mit Hilfe eines Webinars zu bekommen. Die Landes- und Bundesmusikakademien und andere Fortbildungsstätten bieten solche Kurse an.


Ute Benhöfer hat Erfahrungen mit Kinder- und Jugendchorproben online gesammelt, die Sie hier gern einsehen können.


Für diejenigen, die lieber zu Hause singen und sich noch nicht in eine Probe mit vielen anderen Menschen wagen:


Zum reinen Töneüben bleiben Übe-CDs oder Übestimmen im MP3-Format ein probates Mittel. Viele Chöre nutzen diese Möglichkeit schon lange Jahre, auch um den Chorsängern zu Hause die Möglichkeit der Vor- oder Nachbereitung der Proben zu geben.


Einige Verlage bieten Übehilfen für die großen, gängigen Chorwerke an.


Auf dieser Homepage, unter der Rubrik Mitsingen zu Hause, sind einige Beispiele für das Singen in den eigenen vier Wänden zusammen gestellt.


Um die eigene Stimme fit zu halten, finden sich im Netz (z.B. auf YouTube) zahlreiche Einsing- bzw. Stimmbildungsangebote. Die Auswahl ist riesig und jeder Geschmack und beinah jedes Sängerniveau wird bedient.


Achten Sie bitte darauf, genau zu beobachten und nachzuspüren, welches Angebot ihrer Stimme gut tut!


Mögen Sie Ihre guten Nerven behalten und weiter viele gute Ideen entwickeln, um auch in der kälteren Jahreshälfte alle Gelegenheiten zum Singen unbeschwert ergreifen zu können!
Bleiben Sie weiter zuversichtlich, gesund und behütet!